04/02/2026 0 Kommentare
Wie man mit menschenfeindlichen Parolen umgehen kann: VHS und Dekanat veranstalten Argumentationstraining
Wie man mit menschenfeindlichen Parolen umgehen kann: VHS und Dekanat veranstalten Argumentationstraining
# Gesellschaft + Bildung

Wie man mit menschenfeindlichen Parolen umgehen kann: VHS und Dekanat veranstalten Argumentationstraining
Wie kann man Stammtischparolen begegnen? Manchmal machen einen krude Ansichten und menschenfeindliche Aussagen einfach nur sprachlos. Mit einem Argumentationstraining haben sich jetzt rund ein Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer dagegen gewappnet.

Bei dem ganztägigen Training unter dem Titel „WortLOS! gegen menschenfeindliche Parolen“ mit Referentin Ronja Lindenberg im Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach in Steffenberg-Niedereisenhausen wurde rasch deutlich, das Nichts-Sagen keine Lösung ist: „Das wird als indirekte Zustimmung verstanden“, machte die Referentin bewusst. Selbst, wenn das Gegenüber mit Argumenten nicht zu erreichen ist, könne man so zeigen, dass man dessen Meinung nicht teile: „Und das bestärkt auch die Mehrheit der Schweigenden“, machte Ronja Lindenberg Mut. Eine Teilnehmerin berichtete von ganz ähnlichen praktischen Erfahrungen, eine andere allerdings auch davon, dass der andere Zustimmung erhalten habe, als er eine Ausländerin als „Drecksstück“ beschimpft habe.
Besonders schwierig ist es, wenn jemand aus dem Freundes- oder Verwandtenkreis Ausgrenzung und Hass predige und Argumente nicht durchdringen. „Wenn man merkt, das ist ausdiskutiert, muss man eine Entscheidung treffen: Entweder den Kontakt abbrechen oder sich darauf verständigen, das strittige Thema bei Begegnungen auszulassen“, erläuterte Ronja Lichtenberg. Wie bei jeder Diskussion könne man, bevor es soweit kommt, vorher anbieten, gemeinsam nach verlässlichen Fakten zu suchen. „Man kann durchaus sein Unwissen offenbaren, man muss nicht alles wissen“, sagte sie. Oft sei das Gegenüber aber gar nicht an einem Faktencheck interessiert und ziehe auch seriöse Quellen in Zweifel. Eine beliebte Strategie sei auch, immer wieder das Thema zu wechseln und damit zu verwirren, also beispielsweise nacheinander über Migranten, die Regierung und die Arbeitsplätze zu sprechen und somit mehrere Themenfelder „aufzumachen“.
Für Diskussionen im Internet allerdings riet Ronja Lindenberg zur Zurückhaltung: Das koste zu viel Kraft, die man anderswo besser einsetzen könne – zumal aus dem Schutz der Anonymität noch mehr rote Linien überschritten würden und durch Bots sehr viele automatisierte künstliche Postings ins Spiel kämen.

Im Verlauf des Tages erprobten und reflektierten die Teilnehmenden verschiedene Handlungs- und Argumentationsmöglichkeiten, wobei sie immer wieder eigene Erlebnisse zugrunde legten. Veranstaltet wurde der Workshop gemeinsam vom Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach, der VHS Marburg-Biedenkopf und der Regionalen Arbeitsgemeinschaft „Arbeit und Leben“ Marburg-Biedenkopf; gefördert wurde sie von Arbeit und Leben Hessen gGmbH. (klk/eöa)
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