Vom Dekanatsjugendpfarrer zum Hospiz- und Altenseelsorger: Am Sonntag wird Stefan Föste in Ewersbach eingeführt

Vom Dekanatsjugendpfarrer zum Hospiz- und Altenseelsorger: Am Sonntag wird Stefan Föste in Ewersbach eingeführt

Vom Dekanatsjugendpfarrer zum Hospiz- und Altenseelsorger: Am Sonntag wird Stefan Föste in Ewersbach eingeführt

# Gemeinsam im Dekanat

Vom Dekanatsjugendpfarrer zum Hospiz- und Altenseelsorger: Am Sonntag wird Stefan Föste in Ewersbach eingeführt

Pfarrer Stefan Föste wird im Rahmen der Frühjahrssynode des Evangelischen Dekanats an der Dill am Samstag (28. März 2026) in Dietzhölztal-Ewersbach in sein Amt eingeführt. Die Tagung beginnt um 9 Uhr mit einem Gottesdienst in der Evangelischen Margarethenkirche (Oranienstraße 40, 35716 Dietzhölztal). Zu diesem Anlass haben wir ein Interview mit Stefan Föste geführt.

 

Etwa 20 Jahre warst Du Dekanatsjugendpfarrer im Dekanat BiG; jetzt geht es mit einer halben Stelle als Hospiz- und Altenseelsorger im Dekanat an der Dill weiter. Ein krasser Sprung, oder? Oder gibt es da mehr Gemeinsamkeiten, als man zuerst vermutet?

Ja, die gibt es. Sowohl am Beginn des Lebenswegs als auch an seinem Ende erleben Menschen sehr prägende Lebensabschnitte. Dabei begleite ich sie. Das kommt meinen Gaben entgegen.

Du bleibst mit einer halben Stelle als Pfarrer in der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Oberland im Dekanat BiG tätig. War diese Aufteilung Dein eigener Wunsch?

Seit langem bin ich die Aufteilung zwischen Gemeindedienst und Funktionsstelle gewohnt. Beides ergänzt sich. Ich bin froh über die Fortsetzung in zumindest ähnlicher Konstellation. Es hat sich gefügt, dass die neue Aufgabe nahtlos an die bisherige Jugendstelle anknüpft.

Das stationäre Hospiz am Haus Elisabeth in Dillenburg wird eben noch gebaut und soll 2027 eröffnet werden. Worin besteht momentan Deine Tätigkeit?

Ich knüpfe Kontakte und werde im ambulanten Bereich aktiv. Referate bei Ehrenamtlichen, Trauergruppe und Gottesdienste vereinbare ich gerade. Die Hospizbewegung ist mir schon lange ein Anliegen: Begleitetes Sterben in Würde und ohne Schmerzen zeigt, dass menschliches Leben nicht über Leistung zu definieren ist. Wir Menschen sind von Gott gewollt und geschaffen. Seine Nähe hört mit dem Sterben nicht auf.

Ich bin gespannt, welche Aufgabenverteilung für das entstehende multiprofessionelle Hospizteam gefunden wird. Ich werde daran mitgestalten, das ist ein großer Segen.

 Und wenn das Hospiz dann in Betrieb ist?

Der Schwerpunkt soll dort liegen, aber auch im Haupthaus, im Dekanat, der Ökumene und der Region kann ich daran mitwirken, das Thema Hospizarbeit öffentlich wahrnehmbar zu machen. Der Tod ist schließlich ein gesellschaftliches Tabuthema.

 Wieso ist eigentlich jetzt Schluss mit der Jugendpfarrer-Stelle?

Diese Stelle war eigentlich befristet von 2005 bis 2009. Danach konnte sie immer wieder verlängert werden. Ich bin dankbar, dass meine Kirche mein Wirken von vier Jahren auf zwanzig erweitern konnte!

 Bedauerst Du das Ende der Jugendstelle oder meinst Du, diese Zeit ist nun auch mal rum?

Ich bin immerhin 56 Jahre alt. Die neue Aufgabe kommt für mich zur rechten Zeit. In der Jugendarbeit sind noch immer viele Menschen aktiv, dort geht es auch ohne mich weiter.

 Was sind bzw. waren eigentlich die Aufgaben eines Dekanatsjugendpfarrers? Wie hast Du die Stelle mit Leben gefüllt?

Wir haben gemeinsam viele kreative Aktionen verwirklicht. Die Sommerfreizeiten bleiben unvergesslich, ebenso Formate, die mit den Jugendlichen gemeinsam entstanden.

Wir haben immer mal von besonderen Projekten berichtet wie dem Bahnfahren mit Jugendlichen ins Blaue. Aber wie sah denn der Alltag aus?

Jugendarbeit braucht sorgfältige Vorbereitung, zündende Ideen und vertrauensvolle Beziehungsarbeit. Das alles war und ist die Basis für viele gelungene Aktionen.

Es gibt auch einen Bauwagen der Kirchengemeinde… welche Rolle spielt der für die Jugendarbeit, wo kommt er zum Einsatz?

Er ist ein Projekt, das durch Spenden ermöglicht wurde und vom Kindergarten und der Gemeindepädagogin im Oberland genutzt wird. Mit dem mobilen Angebot werden Waldwochen, Jungscharen und Jugendkreise in den Orten angeboten. Ich bin überzeugt, dass es kreative und verheißungsvolle Wege für kirchliches Handeln gibt. Kirche sollte sich immer auf die Menschen zubewegen, nicht umgekehrt.

Hast Du besondere Erinnerungen an die vergangenen zwei Jahrzehnte? Was war richtig schön, was wirst Du vermissen?

Wir sind mehrfach ohne Geld, Vorräte und Übernachtungsplan durchs Land gepilgert. Die Jugendlichen habe erlebt, dass Gottvertrauen belohnt wird: Wir haben überall reichlich Lebensmittel bekommen und pure Gastfreundschaft erlebt - in Schutzhütten, Gemeindehäusern, einem Schuhgeschäft oder auch einer Reithalle konnten wir übernachten. Menschen sind wunderbar, was auch immer in der Öffentlichkeit sonst so behauptet wird. - Der Jugendkirchentag in Biedenkopf war ein Großprojekt mit bleibender Langzeitwirkung.

Ist auch irgendwas mal völlig schiefgegangen, über das Du heute lachen kannst?

Zu Beginn habe ich einfach sorglos losgelegt und ausprobiert. Das wäre heute nicht mehr denkbar. Inzwischen sehe ich den Kontakt der Jugendlichen mit „kontrolliertem Risiko“ außerhalb der gewohnten Komfortzone als zentrale pädagogische Aufgabe gerade kirchlicher Jugendarbeit. Diese Beschreibung betrifft ähnlich auch meinen neuen Dienstauftrag: Als Wahrnehmung der großen Chance, die eine liebevoll begleitete Sterbephase mit sich bringt. Die Komfortzone ist auch im Hospiz recht weit weg. Dort gilt es, gemeinsam eine neue zu bauen – auch angesichts des Verzichts auf Heilung und des Abschieds von geliebten Menschen.

Danke für die Antworten! ;-)

Das Interview führte Klaus Kordesch, Öffentlichkeitsreferent im Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach

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