Nach 34 Dienstjahren: Battenberger Pfarrer Holger Balzer geht in den Ruhestand

Nach 34 Dienstjahren: Battenberger Pfarrer Holger Balzer geht in den Ruhestand

Nach 34 Dienstjahren: Battenberger Pfarrer Holger Balzer geht in den Ruhestand

# Gemeinsam im Dekanat

Nach 34 Dienstjahren: Battenberger Pfarrer Holger Balzer geht in den Ruhestand

Nach 34 Dienstjahren in Battenberg wird der evangelische Pfarrer Holger Balzer (66) am Sonntag, 25. Oktober, ab 17 Uhr in der Burgberghalle in den Ruhestand verabschiedet.

 

„Ich bin unheimlich gerne Pfarrer“, sagt Holger Balzer. Und das merkt man ihm auch an. Fast sein ganzes berufliches Leben hat Balzer in Battenberg verbracht. Das ist durchaus ungewöhnlich für evangelische Pfarrer, die in der Regel spätestens nach zehn Jahren ihre Stelle wechseln. Der Battenberger Kirchenvorstand habe ihm jedoch immer wieder das Vertrauen ausgesprochen, sagt Balzer. Ein Kirchenvorstand, den er sehr schätzt: „Die Mitglieder waren immer aufgeschlossen und innovativ, hatten Lust auf etwas Neues – vor allem in der Musik.“

 Besondere Verbindung zur Musik

 Zur Musik hat Holger Balzer eine besondere Verbindung. In seiner Jugend spielte er als Schlagzeuger in der Band „AOL“. Balzer: „Wir sind quer durch Deutschland getingelt, haben auf Kirchentagen und Festivals gespielt und eine CD aufgenommen.“ Einige Mitglieder dieser Band seien Profimusiker geworden. Er selbst spielt heute nur noch selten Schlagzeug, kümmert sich dafür bei Konzerten um die Organisation und bedient das Mischpult.

Holger Balzer stammt aus Breidenbach im Hinterland. Sein Abitur bestand er 1979 an der Lahntalschule in Biedenkopf. Über den Christlichen Verein junger Menschen (CVJM) folgte ein soziales Jahr in Duisburg mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendarbeit. „Damals lag noch eine Dreckwolke über der Stadt“, erinnert sich Balzer an seine Zeit im Ruhrgebiet. Sein Theologiestudium absolvierte er in Wuppertal und Bochum. Zum Vikariat kehrte er nach Dillenburg, in die Landeskirche Hessen-Nassau, zurück. „Ich habe die Stadt erlebt und musste das nicht weiter haben“, erklärt Balzer seine Rückkehr in den ländlichen Raum. Im Juni 1992 trat er seine Stelle als Pfarrer in Battenberg an. „Und da bin ich hängen geblieben“, lacht Balzer. Die Gemeinde in Battenberg mit aktuell 1350 Mitgliedern biete eine Struktur, „die ich kenne und schätze“. Sein damaliger Lehrpfarrer Klaus-Peter Mücke sei eine „prägende Figur“ gewesen.

 Gospelchor eng verbunden

 Doch zurück zur Musik. Quasi untrennbar ist Holger Balzer mit dem Gospelchor „150 Ps“ verbunden, der in den frühen 2000er-Jahren bei großen Konzerten bis zu 1300 Zuhörer in die Battenberger Sporthalle lockte. Entstanden war der Gospelchor laut Balzer 1997 in einer Ferienfreizeit aus einem kleinen Chor „mit sieben oder acht Leuten“, zu der Bernd Meyer aus der früheren Band „AOL“ seine Gitarre mitgenommen habe. „Daraus ist 150 Ps geworden“, berichtet Balzer. Der junge Chor habe damals eine begeisternde Aufführung des Oratoriums „Ewigkeit fällt in die Zeit“ mit 2000 Sängern in Oberhausen besucht und daraufhin beschlossen: Das können wir auch! Um die Jahrtausendwende 1999/2000 sei dieses Oratorium „mit fast allen Musikern aus Oberhausen“ in Battenberg aufgeführt worden. Der Kirchenvorstand habe „mitgezogen“ und sei mit rund 24.000 DM in Vorleistung getreten. „Kaum ein Vorstand hätte das gemacht“, sagt Holger Balzer. Zum 30-jährigen Bestehen des 150 Ps-Chores sei für 2028 wieder ein großes Konzert unter der Leitung von Dominic Zissel geplant.

 Erinnerungen an Jugendfreizeiten

 Gern denkt der Battenberger Pfarrer an insgesamt 19 Freizeiten mit Jugendlichen zurück. Aus diesen Freizeiten seien viele Freundschaften gewachsen, die bis heute Bestand haben. Auch für andere Formen des Gottesdienstes – Taizé- und Life-Gottesdienste, Gartengottesdienste bei Jürgen Neussel oder die Feier der Waldweihnacht – sei der Battenberger Kirchenvorstand stets offen gewesen. „Und wenn mal etwas nicht geklappt hat, dann haben wir’s halt wieder eingestampft.“

 Aufgaben neu verteilt

 Gern hätte er „noch ein Jahr drangehängt“, sagt der Battenberger Pfarrer. Doch entsprechende Anträge – zum einen von ihm, zum anderen vom Dekan und der Pröpstin – seien von der Landeskirche abgelehnt worden. Die Folge wird sein, dass die evangelische Gemeinde Battenberg ab November keinen eigenen Pfarrer mehr hat und von Stephan Peter aus Laisa mitbetreut wird – im Rahmen der seit Januar geltenden Nachbarschaftsräume. Verschiedene Aufgaben wie die Betreuung der Seniorenheime, Konfirmanden und Kindertagesstätten haben die Pfarrer Janina Albrecht (Battenfeld), Stefan Geil (Dodenau) und Stephan Peter (Laisa) unter sich aufgeteilt.

Zusammen mit seiner Frau, der Sängerin Janina Westhauser-Balzer, werde er bis auf Weiteres im Battenberger Pfarrhaus wohnen bleiben und dafür Miete zahlen. Das Gemeindehaus stehe den Gläubigen selbstverständlich weiter zur Verfügung. „Es wird nichts abbrechen, wenn ich gehe“, sagt Balzer. Der Abschied am 25. Oktober, zu dem alle Gemeindemitglieder eingeladen sind, werde sicher emotional. „Aber ich freue mich darauf“, sagt Holger Balzer. Nach einem langen Arbeitsleben freue er sich auch auf neue Aufgaben und mehr Zeit für die insgesamt fünf Kinder und drei Enkel, die in Warburg, Menden und auf Mallorca leben. Er freue sich darauf, „nicht mehr für alles verantwortlich zu sein, aber doch den Menschen verbunden zu bleiben. Es wird schöne und weitere Sachen geben. Dabei vertraue ich ganz auf Gott.“

(Thomas Hoffmeister)

erschienen in der HNA vom 9.10.26

 

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