27/03/2026 0 Kommentare
„Ich gehe sehr dankbar“: Pfarrerin Annika Panzer über ihre Jahre in Hartenrod und die Zukunft der Kirche
„Ich gehe sehr dankbar“: Pfarrerin Annika Panzer über ihre Jahre in Hartenrod und die Zukunft der Kirche
# Gemeinsam im Dekanat

„Ich gehe sehr dankbar“: Pfarrerin Annika Panzer über ihre Jahre in Hartenrod und die Zukunft der Kirche
Nach über acht Jahren in Hartenrod und der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Bischoffen – Bad Endbach wechselt Pfarrerin Annika Panzer an den Niederrhein. Am Sonntag wird sie von Dekan Andreas Friedrich um 14 Uhr im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes verabschiedet.

Pfarrerin Annika Panzer sagt Hartenrod und der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Bischoffen – Bad Endbach Lebewohl. Mehr als acht Jahre lang hat sie in der Gemeinde gewirkt. (Foto: Klaus Kordesch /eöa)
„Ich gehe sehr dankbar“, sagt die Theologin rückblickend. In Hartenrod ist sie im August 2017 ordiniert worden; es war ihre erste Pfarrstelle. „Ich kannte das Hinterland nicht wirklich, obwohl ich aus Berghofen im Altdekanat Biedenkopf stamme“, erzählt sie und erinnert sich an ihren ersten Besuch in Hartenrod: „Ich habe mich schon auf den ersten Blick in die Kirche verliebt!“ Damals war das heute so wohnliche Pfarrhaus noch eine Baustelle mitten in der Sanierung. Doch das hat das Ankommen seinerzeit kaum behindert: „Es ist ein wirklich schönes Fleckchen Erde, und die Zusammenarbeit in der Gemeinde war von Anfang an vertrauensvoll und gut.“ Sie sei sehr froh, dass sich so viele Menschen in der Gemeinde einbringen und engagieren, sagt Annika Panzer: „Es ist immer jemand ansprechbar, wenn etwas zu tun ist, das ist einfach schön!“
Dass die große Kirche sich nach Corona nicht mehr so gefüllt hat wie zuvor, bedauert die scheidende Pfarrerin sehr. Ausgetreten aus der Evangelischen Kirche sind aber in Hartenrod nicht mehr Menschen als anderswo auch: „Viele von denen, die nicht mehr da sind, haben wir beerdigt und die Jüngeren kommen einfach nicht so regelmäßig in die Gottesdienste“, berichtet die Seelsorgerin, die auch in der Zeit der Pandemie und des Lockdowns zusammen mit Ehrenamtlichen durch originelle Ideen und Aktionen den Kontakt zu den Gemeindegliedern aufrecht erhalten hat. Hunderte gepackte Tüten mit Ostergrüßen, Weihnachts-Andachten vom Traktor-Anhänger an verschiedenen Orten im Dorf oder die Konfirmation auf dem Sportplatz sind nur einige Beispiele dafür. „Es war damals wirklich ein seltsames Gefühl, die Kirche zu schließen, statt darin Gottesdienste zu feiern“, erinnert sie sich.

Innovative Ideen und Aktionen haben das Gemeindeleben aber auch in der Zeit danach geprägt, vor allem die Gottesdienste an besonderen Orten wie in einem Zirkuszelt, die Sterngucker-Gottesdienste am Skihang oder der Faschingsgottesdienst im „Dachsbau“ bei Christel Pfeifer, der ältesten Gastwirtin Hessens. Viele Projekte wurden auch gemeinsam auf Nachbarschaftsraum-Ebene umgesetzt, so die Pilgerwandertage, das Tauffest am Aartalsee oder das „Singen im Sommer“: „Das ist mittlerweile zum Selbstläufer geworden“, freut sich Annika Panzer. Das Miteinander auch über den eigenen Kirchturm hinaus ist ganz in ihrem Sinne: „Ich bin damals noch ausgebildet worden, um für einen Ort zuständig zu sein“, berichtet sie: „Das ist jetzt völlig anders, und es ist schön, dass wir seit einigen Jahren im Team unterwegs sind und dadurch Beziehungen zu allen Orten in der Gesamtgemeinde haben.“ Dabei stört sie nur, dass sie viel Zeit für Sitzungen und Gremienarbeit aufwenden musste: „Die fehlt für die Menschen“, bedauert sie und findet in diesem Zusammenhang auch deutliche Worte zum Struktur-Reformprozess EKHN2030. „Mit Blick auf 2030 hätte man zu Beginn fragen müssen, welche Kirche die Menschen zukünftig brauchen oder wie wir Kirche sein wollen – und nicht die verfügbaren Mittel zum Maßstab dafür zu machen, was dann möglich sein wird“, findet sie.
Die Zukunft der Kirche beschäftigt die Pfarrerin, die künftig in der Evangelischen Kirche im Rheinland arbeiten wird. „Kirche arbeitet in den neuen Strukturen nicht weniger, sie arbeitet nur anders“, ist eine Erkenntnis. Und dass die Gemeindearbeit nicht mehr so auf die Pfarrpersonen zentriert sein wird, sondern vieles von den Menschen vor Ort übernommen werden wird. Was für Annika Panzer gleich zur nächsten Frage führt: „Wie kann das gelingen, ohne den Ehrenamtlichen immer mehr aufzubürden und sie nicht zu überlasten?“, überlegt sie. Und hofft, dass die Kirche über all den Strukturreformen nicht ihren eigentlichen Auftrag vergisst, sondern weiter wirklich Kirche sein kann: „Berührbar, lebensrelevant und erreichbar für die Menschen, die Hilfe brauchen und die Gottesdienste feiern möchten, die ihnen zusagen.“ Unverzichtbar für sie ist auch das ökumenische Miteinander, so wie es in Hartenrod mit der Katholischen Pfarrgemeinde und der Ev. Allianz bestens und auf Augenhöhe funktioniert hat: „Wir können so vieles gemeinsam tun“, findet die Theologin, die sich auch um einen guten Kontakt zu den örtlichen Vereinen bemüht hat: „Ich würde mir wünschen, dass das gemeinsam hier so weitergeht!“

„Auf den ersten Blick in die Kirche verliebt!“: In dem großen Gotteshaus in Hartenrod hat Pfarrerin Annika Panzer ungezählte Gottesdienste gefeiert. (Foto: Klaus Kordesch /eöa)
Auf ihrer neuen Pfarrstelle – zu der sie übrigens aus privaten Gründen wechselt, da ihr Partner an der Universität Essen arbeitet und eine Wochenendbeziehung gerade für eine Pfarrerin schwierig ist – wird Annika Panzer ebenfalls im Team arbeiten: „Ich kann und will gar nicht mehr zurück in das Einzelkämpferinnen-Dasein!“, freut sie sich auf die Arbeit in Kamp-Lintfort und Hoerstgen. Für die aus drei Dörfern bestehende Ev. Kirchengemeinde Hoerstgen wird sie mit einer dreiviertel Stelle tätig sein, für Kamp-Lintfort mit einer Viertelstelle.
Ihre dann vakante Stelle in der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Bischoffen – Bad Endbach kann hoffentlich neu besetzt werden – sie besteht noch knapp vier Jahre und könnte deshalb für eine Pfarrerin oder einen Pfarrer im Probedienst geeignet sein, hofft Annika Panzer. (klk/eöa)
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