Frieden leben, Grenzen überwinden und Partnerschaften stärken: Positive Bilanz der Begegnungen im Dekanat Biedenkopf-Gladenbach

Frieden leben, Grenzen überwinden und Partnerschaften stärken: Positive Bilanz der Begegnungen im Dekanat Biedenkopf-Gladenbach

Frieden leben, Grenzen überwinden und Partnerschaften stärken: Positive Bilanz der Begegnungen im Dekanat Biedenkopf-Gladenbach

# Partnerschaft+Ökumene

Frieden leben, Grenzen überwinden und Partnerschaften stärken: Positive Bilanz der Begegnungen im Dekanat Biedenkopf-Gladenbach

Internationale Begegnungen und ökumenische Verbundenheit haben in den vergangenen beiden Wochen das Evangelische Dekanat Biedenkopf-Gladenbach geprägt: „Frieden suchen – Grenzen überwinden“ – Unter diesem Motto stand der Besuch einer sechsköpfigen Delegation aus Tansania im Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach, zu dem in der ersten Woche auch vier Gäste aus Schweden eingeladen waren.

Der Besuch der Delegationen war mehr als ein Austausch – er war ein Fest der Begegnung, des Lernens und der gemeinsamen Hoffnung nicht nur auf Frieden und Gerechtigkeit, wie beim gemeinsamen Auswertungsgespräch deutlich wurde. Die trilaterale Begegnung mit schwedischen und tansanischen Gästen unterstrich dabei besonders die globale Verbundenheit der christlichen Gemeinschaft, da sowohl das Dekanat als auch die schwedischen Gäste Partnerschaften mit der Karagwe-Diözese in Tansania und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) pflegen.

Die erste Woche hatten alle Beteiligten in der Familienbildungsstätte des Dekanats in Holzhausen verbracht, wo Workshops, Gespräche und gemeinsame Aktivitäten im Mittelpunkt standen. Vor allem diese Woche sei super gewesen, da sich alle zusammen mit der schwedischen Delegation intensiv mit vielen Aspekten rund ums Thema Frieden beschäftigt hätten, zog Luise Kaufmann eine positive Bilanz. Janice Bastian, Vorsitzende der Evangelischen Jugend im Dekanat, betonte, dass in dieser Zeit viel Glaube gelebt worden sei und man durch gemeinsame Unternehmungen viel über das Leben der anderen erfahren habe. Heike Werner ergänzte, dass die Beteiligung so vieler Jugendlicher an der internationalen Bildungswoche ein echter Gewinn für die Gruppe gewesen sei.

„Wir haben Grenzen überwunden!“

Das sieht auch Marion Schmidt-Biber so, die im Dekanat für Partnerschaften und Ökumene zuständig ist und den Besuch organisiert hat: „Die Gruppe hat von den Jugendlichen wirklich profitiert“, findet sie: „Wir waren generationsübergreifend unterwegs und es war völlig egal, ob jemand Theologe war oder nicht – Hierarchien spielten überhaupt keine Rolle: Auch da haben wir Grenzen überwunden!“ In dem Holzhäuser Freizeithaus des Dekanats habe es viel Austausch und Begegnung während der Bildungswoche gegeben, die übrigens als Bildungsurlaub anerkannt und durch Mittel der VEM und der Landeskirche Zentrum Ökumene sowie des Dekanats gefördert wurde. „Trotz aller Unterschiedlichkeiten haben wir viele Gemeinsamkeiten entdeckt“, schildert die Ökumenereferentin: „Zum Beispiel zum Thema Diskriminierungen. Da sei kritisch hinterfragt worden, wo Kirche nicht inklusiv ist: „Wir haben zwar den Anspruch, aber an vielen Stellen fühlen sich Menschen nicht willkommen.“ Auch koloniale Denkmuster seien an vielen Stellen noch präsent: „Welche Bilder von Afrika haben wir in Kopf? Wilde Tiere und Hunger – und in Tansania denkt man, in Deutschland seien ausnahmslos alle reich!“ Zu oft urteile man über andere, ohne alle Hintergründe zu kennen. „Begegnung geschieht, wo man einander zuhört“, hält Marion Schmidt-Biber fest. Man könne so viel voneinander lernen: „Dort entstehen neue Gemeinden und wir reduzieren den Gebäudebestand. Dort gibt es eine Gemeinde, in der jeder der Jugendlichen 33 umgerechnet 33 Cent gibt für einen der anderen, der es gerade nötig braucht für Schulgebühren oder anderes. Und wir haben einen Teil der Kollekte beim Partnerschafts-Sonntag für den Freizeitfonds der Evangelischen Jugend gespendet, denn nicht alle hier können sich die Ferienfreizeiten noch leisten“, erklärt sie: Das gegenseitige Unterstützen schafft Verbundenheit.

Insgesamt sei die erste Woche mit den Delegationen aus Tansania und Schweden und der Gruppe aus dem Dekanat „eine kritische Auseinandersetzung gewesen mit dem, was Kirche leisten könne für das Miteinander, für Frieden und Gerechtigkeit. „Die Tansanier haben großen Wert darauf gelegt, dass Frieden im eigenen Herzen beginnt, in der eigenen Gemeinde und in der eigenen Familie“, sagt Marion Schmidt-Biber.

„Gemeinschaft auf dem Weg des Glaubens“

Die zweite Woche verbachten die tansanischen Besucher in Gastfamilien in Allendorf/Eder, Biedenkopf, Runzhausen und Gladenbach. Hier standen unter anderem Begegnungen in den Nachbarschaftsräumen und in der Dekanatskonferenz der hauptamtlich Mitarbeitenden, Besuche in der Dekanatsverwaltung in Niedereisenhausen, in der Biedenkopfer Grundschule und der Kita Allendorf sowie das Mitwirken in Gottesdiensten auf der Agenda. „Allendorf hat ja auch eine Partnergemeinde in Tansania, da war der Gottesdienst am Sonntag ein echtes Highlight, ein richtig schöner Abschluss, bei dem die Grundschulkinder der Schule am Goldberg ein Lied in der Landessprache auf Suaheli-Sprache gesungen haben“, berichtet sie: „Das war echte Gemeinschaft auf dem Weg des Glaubens!“


Ein besonderer Moment habe sich dann in der zweiten Woche beim Gespräch über eine neue Partnerschaftsvereinbarung ergeben, wie Dekan Andreas Friedrich schildert. Die Partnerschaften zu den beiden Distrikten Kituntu und Ngara bestehen bereits seit Jahrzehnten – ursprünglich geschlossene Verbindungen der bis 2016 eigenständigen Dekanate Biedenkopf und Gladenbach. Eine Überarbeitung der Vereinbarung stand daher an, um die künftige Zusammenarbeit zu gestalten. Unabhängig voneinander hätten beide Seiten Nachbarverse aus Römer 12 ausgewählt, die nun beide der Vereinbarung vorangestellt werden sollen, sagte Friedrich. „ mit der Partnerschaftsvereinbarung sind wir auf einem echt guten Weg“, findet auch Marion Schmidt-Biber: „Wir haben uns unter anderem gefragt, was wir von den gegenseitigen Kontakten erwarten – Partnerschaft ist ja mehr als Geld schicken. Zum Beispiel der Austausch über gemeinsame Sorgen, Fürbitten, persönliche Begegnungen und schließlich solidarisches Handeln und Miteinander.“ Durch die Partnerschaft werde auch das-Verbundensein mit Christen weltweit ausgedrückt: „Wir tragen gemeinsam Verantwortung: Globale Verantwortung wird sichtbar, wenn man mit den Menschen in Kontakt ist“, unterstreicht die Ökumenereferentin.

„Wir tragen gemeinsam Verantwortung“

Auch der Partnerschaftsgottesdienst und das anschließende Tansania-Café seien besondere Momente gewesen, so Friedrich. Zudem hätten die gemeinsamen Abende und das landestypische Kochen die Gruppe verbunden, waren sich die Teilnehmer einig, die auch Ausflüge zur VEM nach Wuppertal, nach Marburg und nach Frankfurt unternahmen. Andreas Friedrich erinnerte sich besonders an die Worte von Oscar Samwel: „Sharing is caring – Teilen heißt, sich zu kümmern.“ Janice Bastian betonte, dass die gemeinsame Woche überaus wertvoll gewesen sei und man viel voneinander gelernt habe. Die internationalen Gespräche seien sehr schön gewesen.

Dekan Andreas Friedrich hob hervor, dass es sich als gut erwiesen habe, während des Besuchs nicht möglichst viele Gemeinden zu besuchen, sondern gemeinsam zu arbeiten, zu diskutieren, zu singen und zu beten, etwas zu unternehmen, zu kochen, zu essen und Workshops wie den zu gewaltfreier Kommunikation abzuhalten. Diese Erfahrungen seien nachhaltiger und wertvoller gewesen. Das kann Marion Schmidt-Biber nur bestätigen: „Die Unterhaltungen am Küchentisch seien sehr wertvoll gewesen, das Blumengießen und Rasenmähen, das Zusammen-Backen und das Grillen mit den Gastgebern. „Da passiert ganz viel.“

„Ein Geschenk mit vielen kostbaren Momenten“

Am Samstagabend endete der Besuch mit einem Abschiedsfest im Pfarrgarten in Eckelshausen, bei dem der Amani-Gospelchor unter der Leitung von Lee Cosmas Ndeiy für den passenden musikalischen Rahmen sorgte. Marion Schmidt-Biber dankte allen Beteiligten und zeigte sich wie Dekan Friedrich tief beeindruckt von den vielen berührenden Momenten während des Besuchs. „Das Vorbereitungsteam hat richtig tolle Arbeit geleistet!“, dankte sie. Die beiden Wochen seien „ein Geschenk mit vielen kostbaren Momenten wie an einer Perlenschnur aufgefädelt“ gewesen: „Wir sind alle reich beschenkt durch diesen Besuch!“

Die Rückreise der tansanischen Delegation am Sonntagabend gestaltete sich lang: Bei einer Entfernung von rund 7000 Kilometern Luftlinie rechneten die Gäste für ihre Heimreise mit etwa 24 Stunden bei vier Umstiegen. Da die Reise dann doch noch länger dauerte, mussten einige Delegationsmitglieder sogar noch eine Nacht in Ngara verbringen, bevor sie ihre Weiterreise antreten konnten. (klk/eöa)

 

Hintergrund: Eine lebendige Partnerschaft

Seit über 30 Jahren pflegt das Dekanat Biedenkopf-Gladenbach rege Beziehungen mit zwei Distrikten und zwei Einrichtungen in der Karagwe-Diözese im Nordwesten Tansanias. Die Zusammenarbeit umfasst auch Projekte wie Aufforstungen, den Bau von Regenwassertanks, Schülerstipendien und Frauenprojekte, die vor allem durch Spenden und Kollekten finanziert werden. Der Tansania-Arbeitskreis bereitet Besuche vor und organisiert Veranstaltungen – ein lebendiges Netzwerk, das die Partnerschaft trägt.

Mehr Infos: https://www.dekanat-big.de/tan...

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