Erinnern ruft uns ins Tun! - Gedanken zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar

Erinnern ruft uns ins Tun! - Gedanken zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar

Erinnern ruft uns ins Tun! - Gedanken zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar

# Gesellschaft + Bildung

Erinnern ruft uns ins Tun! - Gedanken zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar

"Erinnern ruft uns ins Tun!" - so hat Marion Schmidt-Biber ihre Gedanken zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus überschrieben, in denen sie auch eine Verbindung zum Wochenspruch knüpft. 

Der Beitrag ist auch als „Wort zum Sonntag“ am 24. Januar 2026 im "Hinterländer Anzeiger" erschienen.

"Erinnern ruft uns ins Tun!"

Am 27. Januar halten wir anlässlich des Internationalen Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus einen Moment lang die Zeit an. Wir erinnern an Millionen Menschen, denen ihre Rechte, ihre Heimat, ihre Würde und ihr Leben genommen wurden: Jüdinnen und Juden, politisch Verfolgte, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, queere Menschen – an all jene, die entrechtet und ermordet wurden, weil ein Regime entschied, wer „Wert“ hatte und wer nicht.

Erinnern schmerzt. Und gerade deshalb ist es unverzichtbar. Denn Erinnern lässt die Opfer nicht verstummen und schützt uns davor, dass ihre Geschichten vergessen oder verharmlost werden. Heute erleben wir erneut, wie menschenfeindliche und rechtsextreme Ideologien lauter werden, wie antisemitische Straftaten zunehmen, wie Ausgrenzung wieder salonfähig wird. Umso wichtiger sind Menschen, die hinsehen, widersprechen, schützen, trösten, verbinden.

Doch Erinnern allein reicht nicht. Es ruft uns ins Tun. Jeder und jede kann heute einen Unterschied machen – in Worten, im Umgang miteinander, im Mut, nicht wegzuschauen, im Schritt auf andere zu.

Im Wochenspruch der kommenden Woche zeichnet ein Jesus ein Hoffnungsbild: „Und sie werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden und zu Tisch sitzen im Reich Gottes.“ (Lk 13,29)

Ein Tisch, an dem alle Platz haben. Menschen, deren Sprachen und Geschichten verschieden sind, deren Sehnsucht aber dieselbe ist: Frieden, Liebe, Heimat. Niemand muss sich beweisen, niemand bleibt draußen. Man hört einander zu, teilt Leben, trägt mit, lacht und weint – und fühlt sich verbunden.

Jesus widerspricht mit seinem Bild jeder Ideologie von Ausgrenzung und Entmenschlichung. Es eröffnet eine Zukunft, die größer ist als Angst und Hass. Eine Zukunft, die Würde schützt und Haltung wachsen lässt.

Zwischen dem, was war, und dem, was sein soll, liegt unsere Aufgabe: Türen öffnen. Auf Menschen zugehen. Uns verbünden. Einladen, zuhören, mittragen. In kleinen Gesten beginnt eine andere Welt, eine, die niemanden verliert. Gott selbst lädt uns ein, an dieser Welt mitzuarbeiten.


Marion Schmidt-Biber ist Gemeindepädagogin und Inhaberin der Fachstellen Ökumene und Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach.

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