21/08/2026 0 Kommentare
Bleibt „Frieden schaffen ohne Waffen“ eine Utopie? Gesprächsabend „in Dautphe befasst sich mit unauflösbarem Dilemma
Bleibt „Frieden schaffen ohne Waffen“ eine Utopie? Gesprächsabend „in Dautphe befasst sich mit unauflösbarem Dilemma
# Gesellschaft + Bildung

Bleibt „Frieden schaffen ohne Waffen“ eine Utopie? Gesprächsabend „in Dautphe befasst sich mit unauflösbarem Dilemma
Nicht ein Jahr ohne kriegerische Auseinandersetzungen ist seit der Zeitenwende verzeichnet. Bleibt „Frieden schaffen ohne Waffen“ für immer Utopie, obwohl es als ein zentraler Auftrag an die Christenheit gilt? Damit hat sich ein Gesprächsabend im Rahmen der Reihe „Theologie für alle" in Dautphe befasst.

Nicht nur in der Bergpredigt findet sich die Aufforderung, friedlich miteinander umzugehen, machte Dekanats-Bildungsreferentin Kerstin Vollmerhausen, die zusammen mit Dekan Andreas Friedrich und Pfarrer Dr. Reiner Braun den Abend gestaltete, vor den rund 20 Diskussionsteilnehmern im evangelischen Gemeindehaus eingangs deutlich. Und diese Aufforderung gelte auch für „herausfordernde“ Menschen, wie Vollmerhausen ausführte. Die Position der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) habe sich jedoch mit der Friedens-Denkschrift „Welt in Unordnung“ relativiert: Anstelle der bislang postulierten Gewaltfreiheit und der Ächtung von Kriegshandlungen werde nun anerkannt, dass es etwa eine Schutzpflicht von Staaten für deren Bürger gebe und dass atomare Abschreckung in einer bedrohlichen Weltlage vorübergehend sicherheitspolitisch notwendig sein könne. Die EKD selbst sehe dies als „ethisches Dilemma“ an, erläuterte die Bildungsreferentin.

Er sei nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert – dieses Jesuswort aus Matthäus 10 werde gerne zitiert, wenn es um Jesu Einstellung zu Krieg und Gewalt gehe, führte Dekan Andreas Friedrich aus und stellte klar, dass die Aussage auf Jesu Botschaft bezogen zu verstehen sei – denn deren Radikalität könne zu Streit zwischen den Menschen führen und lasse Verwandte zu Feinden werden – auch dieses Zitate von Jesus in diesen Zusammenhängen: „Frieden gelingt nicht immer, wenn es um Jesus geht“, sagte Friedrich.

Christus sei der Frieden in Person und habe die Feindschaft durch sich selbst und seine Friedensbotschaft getötet, erklärte Pfarrer Dr. Braun in seinem Impulsreferat und nannte als Beispiel die friedliche Wende von 1989, die durch die Friedensgebeten möglich geworden sei. Dass Christen viel öfter um Frieden beten sollten, war auch eine der Erkenntnisse in der Diskussion, die sich an die Gespräche in Kleingruppen anschloss. Weitgehendes Unverständnis und Erschrecken wurde ob der teilweise im Militärjargon formulierten EKD-Denkschrift laut, die „Kriegstüchtigkeit“ „ausreichender Bundeswehr-Ausstattung“ und dem „erfolgreichen Bestehen militärischer Auseinandersetzungen“ das Wort rede.

„Das ist nicht mehr meine Kirche“, erklärte ein der Friedensbewegung angehörender Gast. Kirche solle Stellung beziehen auch gegen die Rolle der deutschen Rüstungsindustrie, die mit Waffenlieferungen in alle Welt Kriege mit ermögliche, meinte ein anderer Diskutant. Warum sich die Menschen so schwer tun mit dem Psalmwort „Suche den Frieden und jage ihm nach!“, das Dekan Andreas Friedrich in die Diskussion einbrachte? Das war eine der Fragen, die bei der Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Thema am Ende offen bleiben mussten. (klk/eöa)
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