18/09/2026 0 Kommentare
Bewegende Einblicke in Fluchtgeschichten: Dekanat Biedenkopf-Gladenbach besucht Notaufnahmelager Gießen
Bewegende Einblicke in Fluchtgeschichten: Dekanat Biedenkopf-Gladenbach besucht Notaufnahmelager Gießen
# Gesellschaft + Bildung

Bewegende Einblicke in Fluchtgeschichten: Dekanat Biedenkopf-Gladenbach besucht Notaufnahmelager Gießen
Den Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen hat jetzt eine Gruppe des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach besucht. Die kostenfreie Führung, die im Rahmen der Bildungsarbeit des Dekanats organisiert wurde, bot den Teilnehmenden tiefgehende Einblicke in die Geschichte der Flucht und Vertreibung in Deutschland – mit einem besonderen Fokus auf die unterschiedlichen Fluchtgruppen und ihre Schicksale.

Das ehemalige Notaufnahmelager Gießen, das im Juni 2025 als Gedenkstätte eröffnet wurde, ist ein authentischer Ort deutscher Teilungs- und Nachkriegsgeschichte. Als älteste und einzige durchgehend arbeitende Aufnahmeeinrichtung in Deutschland von der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 hat es Hunderttausende Menschen aus der Sowjetischen Besatzungszone und später der DDR aufgenommen. Die Ausstellung vermittelte den rund ein Dutzend Besuchern nicht nur historische Fakten, sondern auch persönliche Erfahrungen von Heimatvertreibung, Flucht, Aussiedlung und politischer Verfolgung.
Ein Ort der Erinnerung und des Lernens

Die Gruppe wurde von einer sachkundigen Führung durch die Ausstellung begleitet, die sich ausgiebig mit den verschiedenen Fluchtgruppen beschäftigte, die im Laufe der Jahrzehnte ihr Leben in Deutschland in Gießen begannen – gerade in der Nachkriegszeit oft unter widrigsten Bedingungen und gegen den Widerstand der Bevölkerung. Im Mittelpunkt standen dabei die innerdeutsche Geschichte in den Monaten vor und nach dem Ende der DDR. Besonders beeindruckend war die Schilderung der Abläufe im Notaufnahmelager, die den Teilnehmenden die Dimensionen der humanitären Herausforderungen dieser Zeit vor Augen führte.

Die Teilnahme an der von Kerstin Vollmerhausen als Inhaberin der Fachstelle Bildung im Dekanat organisierten Führung war dank einer Förderung der EKHN-Stiftung kostenfrei möglich. Die Gruppe zeigte sich tief beeindruckt von den menschlichen Schicksalen, die hinter den historischen Fakten stehen. Besonders die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Fluchtgruppen und ihren Motiven regte viele Teilnehmende zum Nachdenken an, deren Familiengeschichte mitunter ebenfalls Bezüge zum Notaufnahmelager hatte: Einige Eltern und Großeltern von Teilnehmenden sind wie so viele andere auch aus dem Osten über Gießen in die Bundesrepublik gelangt.

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